Die Sophie-Scholl-Kirche

Ein Treffpunkt

Gotteshaus & Menschenhaus

Das 2003 eingeweihte Sophie-Scholl-Gemeindezentrum möchte ein Treffpunkt sein. Es ist Teil des großen freien Grünraums, der die Mitte des Stadtteils Teurershof bildet - umgeben vom Seeacker- und Sonnenhof-Kindergarten, dem Heim Schöneck, der freien Waldorfschule mitsamt dem neuen Waldorfkindergarten-Areal und eben dem Gemeindezentrum der evangelischen Sophie-Scholl-Kirchengemeinde. 

Als Gemeindezentrum soll das Gebäude verschiedenen Funktionen dienen: In ihm werden sowohl Gottesdienste gefeiert als auch Gemeindenachmittage abgehalten; die Feier des Heiligen Abendmahls hat hier ebenso ihrem Raum wie auch stattfindende Gemeinde-Kaffees. Gruppen und Kreise, von Krabbelkindern bis zu Seniorengruppen, sollen hier einen Heimat finden.

Diese Mehrfachnutzung, die sich unter dem Begriffspaar "Gotteshaus und Menschenhaus" zusammenfassen lässt, spiegelt sich bereits im Entwurf des Gebäudes durch den Architekten Wolfgang Kuhn wider. Deutliche wird dies etwa an dem großen Glasfenster im Altarraum, das von dem Künstler Markus daum gestaltet wurde und das den Blick raus in dei Welt ermöglicht, ja, erzwingt - auch während der Gottesdienste. Es ist ein Blick in die Welt, der aber gefiltert wird durch die Großform des Kreuzes (siehe unten). Ebenso sorgen die Glaswände des Foyers für ungehinderte Ein- und Ausblicke. Sie heben so den Gegensatz von Innen und Außen auf und lassen beides in Berührung miteinander kommen.

Der Wille zur Begegnung von Menschen und Gott, aber auch von Stadtteil und Kirchengemeinde, von Gesellschaft und Glaube, wird architektonisch durch ein weiteres Grundmerkmal versinnbildlicht, denn im Gebäude treffen sich zwei Grundachsen: Zum Einen die Bauflucht der Stadt, zum Anderen die traditionelle Ausrichtung von Kirchengebäuden nach Osten. Beide Achsen finden sich in einer leichten Verschiebung zueinander; beide Achsen sind im Gebäude sichtbar vorhanden (siehe Grafik) und sorgen in ihrem Zusammenspiel für eine besondere Dynamik. Treffpunkt beider Achsen ist der Altar - was zugleich die traditionelle Position des Altars in Kirchen mit kreuzförmigem Grundriss aufnimmt (hier steht der Altar im Schnittpunkt der beiden Kreuzbalken) und in diesem Fall eine besondere Akzentuierung deutlich werden lässt.

 

Ein Blick hinein

Der Blick hinaus

Das große Glasfenster im Osten öffnet den Blick im Altarraum nach außen. Dies stellt sicher eine Besonderheit unserer Kircher dar und verdeutlicht gleichzeitig ein wesentliches Grundprinzip des ganzen Gebäudes: die Begegnung von Innen und Außen. Auch während der Predigt oder der Feier des Heiligen Abendmahls bleibt so die Welt nie "außen vor".

Allerdings ist der Blick nach außen gefiltert. Er dringt unter der Perspektive des Kreuzes nach draußen. So illustriert das große Glasfenster einen Grundsatz des christlichen Glaubens: die Welt unter der Perspektive des sich den Menschen zuwendenden Gottes zu betrachten. Anders ausgedrückt: "Der Glaube sieht nicht eine andere Welt, er sieht die Welt anders."

Die Prinzipalien

Als Prinzipalien bezeichnet man die wichtigsten Einrichtungsteile für die liturgische Nutzung - im Fall der Sophie-Scholl-Kirche also Altar, Taufstein und Ambo (Lesepult). Sie wurden ebenso wie das Glasfenster und das Glasband in der Nordwand durch den Künstler Markus Daum gestaltet. Anders als beim himmlischen Blau des Fensters symbolisiert der rostrote Ton des Eisengusses das irdische Prinzip.

Dies wird besonders deutlich am massiven Block des Altars. Während Ambo und Taufstein auf schlanken Säulen stehend eine gewisse schwebende Leichtigkeit ausstrahlen und so vielleicht angemessen auf die besondere Bedeutung des Heiligen Geistes bei Predigt und Taufe hindeuten, steht der Altar mit seiner einfachen, wuchtigen Grundform für etwas Bodenständiges, sogar Urtümliches. Viele Assoziationen werden geweckt: die Steinaltäre, die die Erzeltern der Bibel Gott zum Dank und Lob errichtet haben; der Klumpen Erde, aus dem Gott den Menschen schuf; die Schädelstätte, der Felsen Golgatha, auf dem Christus seine Erlösungstat vollbracht hat. Gerade Letzteres schwingt bei allem Irdischen und Weltlichen des Altars durch das Kreuz in der Mitte mit und zeigt: Christi Liebe hat sich der Welt eingeprägt!

(Andreas Oelze)