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Neue Perikopenordnung

Mit dem Beginn des neuen Kirchenjahrs am 1. Advent wird in unserer Landeskirche probeweise eine neue Perikopenordnung eingeführt.

Zur Erklärung dieser Ordnung und was sie bewirkt geben wir Ihnen hier einen Text von Pfarrer P. Dietrich  zur Lektüre:

 

 

Wer sagt eigentlich, was am Sonntag gepredigt wird?

Nicht die Pfarrerin, nicht der Pfarrer legen fest, über was sie ihre Predigt schreiben, sondern die gängige Perikopenordnung. „Perikope“ kommt aus dem Altgriechischen und bezeichnet einen für die gottesdienstliche Lesung und Predigt zurechtgestutzten Abschnitt aus der Bibel. Schon in der alten Kirche waren passend zu den großen Kirchenfesten bestimmte Evangelienabschnitte vorgesehen: an Ostern das Auferstehungsereignis, an Weihnachten die Geschichte von Jesu Geburt oder am 1. Advent sein festlicher Einzug in Jerusalem. Mit den Jahrhunderten kamen Abschnitte aus den neutestamentlichen Briefen und dem Alten Testament hinzu, bis für jeden Sonn- und Feiertag sechs Perikopenreihen vorlagen. Jedem Kirchenjahr wurde eine Reihe zugeordnet, so dass immer nach sechs Jahren wieder der gleiche Text zu predigen ist.

 

Nun sind allerdings die zu den Festen gehörigen Evangelien alle in der ersten Reihe versammelt, in der zweiten Reihe finden sich fortwährend Abschnitte aus neutestamentlichen Briefen, so dass im Jahr der ersten Reihe nur über die anschaulichen Haupttexte zum Sonntag gepredigt wird, im Jahr der zweiten Reihe hingegen eine Gemeinde ausschließlich Predigten zu den oft nicht sehr einfachen Brieftexten zu hören bekommt. – Dies war einer der Gründe für eine ausgiebige Revision der gottesdienstlichen Texte und Lieder, die nun abgeschlossen ist. Am 1. Advent 2018 wird diese neue Ordnung in Kraft treten (Unsere Württembergische Landeskirche behält sich freilich vor, die EKD-weit geltenden Texte zu einem späteren Zeitpunkt noch zu erweitern bzw. zu modifizieren).

 

Bei der Revision wurden die Reihen neu durchmischt, so dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden eines jeden Jahres sowohl Predigten über die zentralen Sonntagsevangelien hören als auch die ganze Vielfalt biblischer Texte kennenlernen. Etliche weniger zentrale Texte wurden aus den Reihen genommen, dafür wurde der Anteil alttestamentlicher Texte deutlich erhöht. Die ganze Vielfalt der biblischen Überlieferung soll in unseren Gottesdiensten erklingen. Neu hinzu kamen Texte aus den Büchern Jona, Rut oder Hiob, ja, sogar Psalmen sind nun immer wieder Gegenstand der Predigt.

 

Zwischen der Schriftlesung (die üblicherweise aus einer der anderen, nicht zu predigenden Reihen entstammt) und dem Predigttext erklingt das Wochenlied. Etliche der bisher vorgeschlagenen Wochenlieder erwiesen sich mit den Jahren als nicht mehr zeitgemäß. Deshalb werden nun für jeden Sonn- oder Festtag zwei alternative Lieder aus unterschiedlichen musikalischen Epochen vorgeschlagen, von denen eines zu wählen ist. – Regelmäßig gesungen schafft das Wochenlied ein verbindendes Band durch alle deutschsprachigen evangelischen Gemeinden und durch die Generationen.

 

Da manche der neuen Wochenlieder noch nicht im Gesangbuch abgedruckt sind, wird zum 1. Advent ein neues Liederbuch „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder PLUS“ eingeführt. Es enthält neben den 94 neuen Liedern des bisherigen blauen Liederheftes 124 weitere Lieder aus jüngster Zeit. Im Anhang sind über unser Gesangbuch hinausgehend noch weitere Psalmen abgedruckt, so dass das Psalmgebet in unseren Gottesdiensten vielgestaltiger werden kann.

 

Freuen wir uns also auf die neuen und vertrauten Texte und Lieder der neuen Perikopenordnung! Und der Heilige Geist gebe das Seine dazu, dass uns Pfarrerinnen und Pfarrern mutmachende, glaubenstiefe und ideenreiche Predigen gelingen!

 

Philipp Dietrich

 

 

 

Eine ausführlichere Darstellung können Sie hier als PDF-Datei abrufen