Sternenglanz

Gegenüber von unserem Pfarrhaus ist zurzeit eine Christbaum-Sammelstelle. Der erste Baum lag dort schon vor Neujahr und jetzt liegt ein ganzer Berg Tannenbäume zur Abholung bereit. Auch der Weihnachtsschmuck in den Fenstern, die festliche Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt, all dies wird jetzt wieder abgebaut und aufbewahrt fürs nächste Mal. Weihnachten ist vorbei – jetzt ist Neues dran. Ein neues Jahr mit neuen Herausforderungen, mit all dem, was persönlich, in der Familie, im Beruf, in der Stadt und in der Gesellschaft 2019 auf uns zukommen wird. Ein neues Jahr und der Blick geht nach vorne. Unser Christbaum steht trotzdem noch – zumindest ein paar Tage und vor allem unser schöner, gelber Herrnhuter Stern wird uns noch bis Ende Januar leuchten, denn bis dahin befinden wir uns – zumindest im Kirchenjahr – noch im Weihnachtsfestkreis. Am 27. Januar ist der letzte Sonntag nach Epiphanias, dem Erscheinungsfest, bevor am 3. Februar am Tag nach Lichtmess dann die Vorpassionszeit beginnt.

Klar schaue auch ich voraus auf das, was in den nächsten Wochen und Monaten ansteht. Trotzdem tut es mir auch gut, auf den Stern zu schauen und den Blick nochmals auf die Krippe zu lenken.

Ich sehe den Stern und freue mich an seinem warmen gelben Schein – er lädt mich ein, mir auch jetzt Zeiten der Besinnung zu gönnen. Durchzuatmen im Alltag, bevor ich dann die vielfältigen Aufgaben wieder in Angriff nehme. Ich sehe den Stern und er erinnert mich daran, dass das, was wir an Weihnachten in unseren Familien gefeiert haben, weiter geht. Gott geht mit, auch in dieses Jahr, auch in unserer angefüllten, unübersichtlichen und schnelllebigen Zeit.

Ich sehe den Stern und nehme mir vor, selbst so gut ich es vermag dafür einzutreten, dass die Welt ein hellerer Ort wird.  

Die Christbäume werden abgeholt, die Lichterketten eingepackt, doch etwas von dem Licht bleibt – das hoffe ich. Möge das Jahr 2019 für uns ein helles Jahr werden. Vielleicht spüren wir ja etwas Sternenglanz auch außerhalb der Weihnachtszeit.

Schließen möchte ich mit Worten von Johann Christoph Hampe:

Der Stern über der Krippe erlosch,

die heilige Nacht versank,

das Jahr geht fort.

Herr, lass es dein Jahr fortan sein,

durch das ich gehe,

geleitet an deiner Hand,

einer, der dein Licht gesehen hat.

(EG, S. 173)

 

Pfarrerin Christina Oelze, Sophie-Scholl-Gemeinde

 

Sonntagsgedanken im Haller Tagblatt am 12.1.2019