Nur nicht aufgeben!

An diesem Wochenende gehen die Sommerferien in Baden-Württemberg zu Ende, am Montag beginnt der Betrieb in ca. 4500 Schulen. Der alltägliche Wahnsinn wird nun noch wahnsinniger, „dank“ der anhaltenden Corona-Pandemie. Hygienekonzeptionen (überall etwas anders) werden erstellt und wieder verändert. Wehe dem, der auf sein „veraltetes“ Wissen baut! Augen auf und durchhalten! Doch das Ziel ist fern.

Wie gern würde ich für einen Moment oder länger alles gut sein lassen und meine Familie und Freund*innen in den Arm nehmen, mit ihnen ausgelassen feiern, lachen, essen und trinken – ohne auch nur ein einziges Mal an Corona denken zu müssen. Unglaublich, wie ein kleines Virus unser Verhalten so massiv verändert hat. So sehr, dass das Absurde schon fast normal geworden ist.

Nur nicht aufgeben!

Manches im Leben ist auf Ausdauer angelegt. Es fängt schon in der Schule an: eine gute Note kann bis zum Schuljahresende beibehalten werden, nur wenn Fleiß, Talent und Glück weiterhin andauern. Ein einziger Ausrutscher – und schon könnte die ganze Mühe umsonst gewesen sein. Der Notendurchschnitt, wobei es manchmal nur um Dezimalzahlen handelt, sackt ab, der beliebte Ausbildungs- oder Studienplatz erscheint sofort als gefährdet.

Inmitten der Corona-Pandemie gilt gleichermaßen eine erhöhte Ausdauer und Achtsamkeit für alle. Und zwar wirklich für alle. Nicht nur für die anderen, sondern auch für Dich und für mich. Es ist die gegenseitige Rücksichtnahme. Ein solidarisches Miteinander kann nur dann gelingen, wenn alle beherzt und verantwortungsvoll das Zusammenleben mitgestalten.

Bisher haben die meisten von uns es geschafft, glimpflich davon zu kommen. Es wäre nahezu fatal, wenn ein einziger Fehltritt eine Infektion auslöst. Es heißt weiterhin: Durchhalten!

Dass das Leben manchmal so hart sein kann und ein kleiner Ausrutscher fatale Folgen hat – dem war sich der Beter in Psalm 31 durchaus bewusst gewesen. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ betet er zu Gott. Er spricht diesen Gedanken dankbar und fröhlich aus, da er genau weiß, dass es im Leben oft eng wird. Die schöne Wohnung kann auf einmal sehr klein werden, andere Menschen können übergriffig werden, vereinnahmen. Freiraum, das wünscht sich der Psalmbeter. Denn unmittelbar zuvor vertraut er darauf, dass Gott ihn nicht in die Hände des Feindes übergibt. Es geht hier nicht um einen möglichst unendlich weiten Raum ohne jegliche Gefahr, sondern um eine „Zoom out“-Funktion in der Vorstellung, dass alles Lebensfeindliche inmitten eines weiten Raumes und vor Gott seine Macht verliert.

 

 Pfarrerin Vinh An Vu

 

Sonntagsgedanken im Haller Tagblatt am 12.09.2020