Auf dem Weg der Selbsterkenntnis

Gedanken zum Buß und Bettag

Das Wort „Buße“ ist aus verschiedenen Gründen ein negativ besetztes Wort. Ich möchte mich aber nicht an diesen negativen Assoziationen abarbeiten. Das erscheint mir nicht produktiv. Ich will lieber mit Ihnen nach dem positiven Gehalt dieses Wortes suchen.

Buße bedeutet eigentlich „sich bessern“. Das, finde ich, ist doch ein erstrebenswertes Ziel: Ein anderer Mensch werden. Ein Mensch, der nicht immer wieder dieselben Fehler macht. Ein Mensch, der für seine Umwelt keine Belastung ist. Ein Mensch, der etwas Warmherziges ausstrahlt.

 

Damit wir solche Menschen werden, müssen wir uns allerdings anstrengen. Von allein kommt das nicht. - Leider!

 

Wie geht es also?

 

Auch wenn der Spruch „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“ schon etwas abgegriffen ist – er stimmt eben doch.

 

Hier ein paar Fragen, die uns auf dem Weg der Selbsterkenntnis weiterbringen können. Sie sind dem Abendgebet der „Kleinen Brüder und Schwestern von Charles Foucauld“ entnommen:

 

Sind wir geduldig, schlicht und liebevoll gewesen?

Haben wir jenen genug Zeit gegeben, die zu uns kamen?

Haben wir Hoffnung beantwortet, wenn sie fragten?

Haben wir sie zärtlich aufgemuntert, bis ihr Lachen wieder da war?

Haben wir Blumen gegeben mit dem Brot?

Haben wir diesen Tag gelebt, Herr, wie es dir gefällt?

Soweit diese Fragen. Sie merken, viele Fragen lassen sich nicht eindeutig beantworten.

Die Fragen helfen uns, an unserer inneren Haltung zu arbeiten. Wir werden damit nie zu Ende sein.

Es geht nicht darum perfekt zu sein, sondern um ein Wachsen: Ein „Mehr“ an Liebe, ein „Mehr“ an Menschenfreundlichkeit.

 

Schließlich noch ein weiteres positives Merkmal von Buße. Dafür zitiere ich Johannes Brenz, den Reformator von Schwäbisch Hall. Er hat es so gesagt: „Buße tun heißt, umkehren in die offenen Arme Gottes.“ Dieser Satz hilft mir, bei meiner Selbsterforschung ehrlich zu sein. Ich brauche keine Angst haben, etwas falsch oder etwas nicht gemacht zu haben. Ich weiß, ich kann mit all meinen Fehlern immer zu meinem Vater im Himmel zurückkommen. Er wird mich nicht abweisen. Seine Liebe gilt auch jetzt noch.

 

Wenn ich das nicht wüsste, würde ich meine dunklen Flecken höchstwahrscheinlich nie anschauen.

 

Gott hilft mir, mich selber wahrhaftig und liebend anzuschauen. Er tut es nämlich auch.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen zwar nicht arbeitsfreien aber doch positiven Feiertag an Buß- und Bettag.

 

 

Ihr Pfarrer Dieter Kern

 

Gedanken zum Buß- und Bettag im Hallter Tagblatt am 20.11.2019