Es summt und brummt doch (noch)!

In den letzten Monaten wurde viel über das Insektensterben geschrieben. Ausgelöst wurde dies von den Ergebnissen einer Studie, die in den letzten 27 Jahren einen Rückgang der Biomasse von fliegenden Insekten um 75% dokumentiert hat. Das ist ein fast nicht vorstellbares Ausmaß.

Deshalb bin ich zurzeit mit einem viel wacheren Blick für Bienen und Co unterwegs. Als z.B. im Frühling der Kirschbaum in unserem Garten in voller Blüte stand, habe ich mich gefragt: sollten da nicht viel mehr Bienen sein?

Seit ich aktiv nach Insekten schaue, habe ich aber auch vieles entdeckt. Die „Zimmer“ im Bienenhotel an unserer Hauswand sind alle belegt und an unserem Lavendel tummeln sich Wildbienen, Hummeln und Honigbienen. Beim Hundespaziergang freue ich mich und bleibe fasziniert stehen, wenn es aus einer blühenden Linde so laut summt, dass man es weit hören kann, weil Honigbienen dort Nahrung finden. Wenn ich den Hofpfad auf meinem Weg in die Stadt hinunterlaufe, habe ich angefangen, nach Schmetterlingen Ausschau zu halten. Da gibt es einige: Tagpfauenaugen sonnen sich auf dem Weg, Bläulinge, Weißlinge und Zitronenfalter flattern an den Blüten am Wegesrand und ab und zu sehe ich einen kleinen Fuchs, ein Waldbrettspiel oder ein Landkärtchen und noch viele weitere Schmetterlinge. Neulich habe ich sogar eine blaue Holzbiene gesehen, beeindruckend schwarz und groß. Es summt und brummt also doch noch! Wenn ich die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge beobachte, dann staune ich darüber, wie wunderbar und faszinierend das Zusammenspiel in der Natur ist.  Ich sehe aber auch wie zerbrechlich das Gleichgewicht ist und wie sehr wir auf ein intaktes Ökosystem angewiesen sind. Wir brauchen Insekten - und die Insekten brauchen uns, unseren verantwortlichen und achtsamen Umgang mit der Natur. Für mich gehört zum Lob Gottes deshalb beides: Dankbare Freude über die wunderbare Schöpfung und der aktive Einsatz für den Umweltschutz. Also singe ich gerne aus Paul Gerhardts schönem Sommerlied: Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen - und nehme mir vor, unter dem Kirschbaum eine Wildblumenwiese anzulegen.

 

Einen gesegneten Sonntag und viele Entdeckungen in Gottes schöner Natur wünscht Ihnen,

 

Pfarrerin Christina Oelze

 

Sonntagsgedanken im Haller Tagblatt am 14.7. 2018