Begegnungen

Wie vielen Menschen sind Sie heute schon begegnet?

Niemandem? Zehn oder vielleicht sogar 100 Personen?

Eine Studie vom Max-Planck-Institut ging dieser Frage nach und erforschte mit wie vielen Menschen wir pro Tag Kontakt haben.

Bei der Studie wurde jede Begegnung gezählt, die mehr als fünf Minuten dauerte oder mehr als 100 Wörter in Anspruch nahm. So wurden nicht nur die persönlichen Begegnungen, sondern auch Telefonate oder digitale Kontakte mitgezählt.

Das Ergebnis überraschte mich sehr, denn im Schnitt hatte jeder Studienteilnehmer nur acht Begegnungen pro Tag. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Begegnung umso höher war, je kürzer der Abstand zur letzten Begegnung war und umso häufiger man sich zuvor getroffen hatte.

Ich habe mich gefragt, was das für meinen Glauben bedeutet – für meine Begegnungen mit Gott.

Wie regelmäßig nehme ich mir Zeit für eine Begegnung? Bei welchen Gelegenheiten kommt es dazu?  Begegne ich Gott, wenn ich zu einem Stillen Gebet in die Kirche gehe oder doch eher in einen Gottesdienst? Fällt es mir leichter Gott in der Natur zu begegnen? Spreche ich dabei mit Gott und erzähle ihm, wie es mir geht, höre ich Musik oder lese ich in der Bibel oder einem Buch, um auch etwas von ihm zu hören?

Bei allen Überlegungen beschäftigte mich eine Frage besonders: Woran kann ich erkennen, dass ich wirklich eine Begegnung mit Gott hatte, also dass er da war und ich nicht nur allein über ihn nachgedacht habe?

Und so habe ich Gott eines Morgens auf der Terrasse darum gebeten, dass er mir begegnet. Kurz darauf spürte ich wie die ersten Sonnenstrahlen mein Gesicht berührten. Mein ganzer Körper wurde von der Sonne erwärmt. Keine zwei Minuten später verschwand die Sonne wieder hinter den Wolken.

Ähnlich wie bei dieser Erfahrung, ist es auch im Glauben. Es gibt ein paar wenige Situationen in meinem Leben, in denen ich in ganz besonderer Weise spüre: Gott ist da. Und dann gibt es viele andere Situationen, in denen ich darauf vertrauen muss, dass Gott auch dann anwesend ist, wenn ich ihn nicht in derselben besonderen Weise spüre. So wie die Sonne hinter den Wolken auch dann da war, als ich sie nicht mehr so intensiv gespürt habe. Denn in Jesus Christus verspricht er uns: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt. 28,20)

Ich lade Sie ein sich an diesem Wochenende Zeit für eine Begegnung zu nehmen. Sei es mit einer Person, die sie schon längere Zeit nicht mehr gesehen haben – vielleicht auch mit Gott, für sich allein oder in einem Gottesdienst.


Pfarrer Matthias Herrmann, Geißelhardt/ Bubenorbis

 

Sonntagsgedanken im Haller Tagblatt am 12. Juni 2021