In der Kirche des Dorfes Tüngental ...

Die neue Maria mit dem Hasen (geschaffen im Jahr 2005 zur 60. Wiederkehr der Zerstörung der Marienkirche)

... stand auf einem Altar in einem Chörlein ein Muttergottesbild. Da geschah es, daß ein Herr von Limburg in der Gegend Hasen jagte und die Hunde einen Hasen auftrieben, der seinen Lauf schnurstracks in die Kirche nahm und mit einem Satz auf jenen Altar sprang, wo er am Gewande des Marienbildes angstvoll aufwärtsstrebte. Als der Herr von Limburg der Jagd nachfolgte, denn er hatte gesehen, wie auch seine Hunde dem Hasen nachsetzend in die Kirche gedrungen waren, fand er die Hunde vor dem Altar in ruhiger Stellung und ergriff das gehetzte Tier, das nun nicht weiterkonnte, mit der Hand, trug es auf den Kirchhof heraus, wehrte den Hunden, es zu verletzen oder ihm zu folgen, und sprach, indem er den Hasen in Freiheit setzte: Zeuch hin, lieber Has! Du hast Freiheit in der Kirche gesucht, die hast du funden, dieweil die Hunde dein Asyl geehrt, so will ich's auch nicht verletzen. - Also lief der Hase davon, und kein Hund folgte ihm. Wie nun solches unter den gemeinen Mann kam, ward ein großes Zulaufen und Wallen, und man nannte die Kirche Unsere Frau zum Hasen, und von dem Opfer, so die Waller dahin gaben, ward ein neuer Chor gebaut und ein steinern Madonnenbild errichtet, an dem ein Hase emporstrebt, zum ewigen Gedächtnis.

 

Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853