Vom Tüngentaler Filial bis zur selbständigen Kirchengemeinde 1594 - 1939

In Hessental war das kirchliche Leben eher als beschaulich zu bezeichnen. Vor der Reformation und danach auch.

Filialgemeinde der Kirchengemeinde Tüngental, wie sah das aus? Gottesdienste fanden an jedem 2. Sonntag statt. Für Sakramentsgottesdienste gab es feste Terminvereinbarungen, auch für Trauungen und Bestattungen war der Tüngentaler Parrer zuständig.

Die Einwohnerzahl von Hessental nahm zu. Schließlich wurde 1936 Hessental per Vertrag, wie auch Steinbach und Hagenbach, nach Schwäbisch Hall eingemeindet.

Hand in Hand mit der Eingemeindung ging auch der Wunsch der Hessentaler, eine eigenständige Kirchengemeinde zu werden, in Erfüllung.

Schwere Zeiten, Krieg und Kriegsfolgen 1939 – 1945

Losgelöst von Tüngental war Hessental zunächst ständige Pfarrverweserei, deren Leitung in den Händen von Parrer Roos lag, der aber auch Pfarrer von Tüngental blieb, später aber ganz nach Hessental überwechselte.

Im Jahre 1939 brach der 2. Weltkrieg aus, der auch über die Hessentaler Gemeinde viel Leid brachte. Viele Männer sind gefallen, andere kehrten spät, vielleicht auch krank, aus der Gefangenschaft zurück bis dann im September 1944 der folgenschwere Fliegerangriff auf Hessental stattfand, dem das Ortszentrum einschließlich der Kirche zum Opfer fiel. Auch die Wohnung von Pfarrer Roos, unmittelbar neben der Kirche gelegen, brannte aus.

Die ehemalige Mutterkirche in Tüngental, sie ist eine Marien-Wallfahrtskirche gewesen, ereilte das gleiche Schicksal. Die Kirche brannte aus und mit der Kirche verbrannte die Schutzmantelmadonna auf dem Altar.

Wiederaufbau der Kirche 1946 - 1950

Mittlerweile, man schrieb inzwischen das Jahr 1946, wurde Hessental selbständige Pfarrei und die Stelle mit Pfarrer Johannes Kiefel neu besetzt.

Dessen Aufgabe war es nun zu retten, was noch zu retten war. Ihm oblag es, Notunterkünfte für Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen zu beschaffen, Gemeinde neu zu sammeln, aus den Reihen, welche die Nazi-Diktatur zurück gelassen hatte, denn der wirklich Getreuen waren es nur wenige gewesen. Auch an den Wiederaufbau der Kirche galt es zu denken. Ein rühriger, mündiger Kirchengemeinderat stand Pfarrer Kiefel zur Seite. Den Plänen von Dekan und Oberkirchenrat wurde widersprochen. Die Kirche am angestammten Platz konnte, wohl vergrößert, wiederaufgebaut werden, der Plan eines Neubaus an anderem Ort, war somit vom Tisch. Im Juni 1950 stand die Kirche und wurde am 9. gleichen Monats in einem feierlichen Gottesdienst, in welchem Dekan Roller predigte eingeweiht. 2 neue Glocken konnten angeschafft werden, das neue Geläute vervollständigt seither eine ständige Leihglocke aus Schlesien. Der „Eiserne Vorhang" verhinderte damals eine Rückkehr an den angestammten Platz.

Bald konnte auch eine Orgel angeschafft werden, was Spenden aus der Gemeinde ermöglichten.

Der Gesundheitszustand von Pfarrer Kiefel hatte sich verschlechtert, der Wiederaufbau der Kirchetrug dazu bei, auch die Reaktivierung des Gemeindelebens forderte ganzen Einsatz, da dass noch 1950, nach Abschluss des Wiederaufbaus der Kirche, Pfarrer Kiefel sich entschloss, in eine kleinere Gemeinde, sprich Enslingen über zu wechseln.

Der Kirchenchor wurde gegründet

Ein Kirchenchor war auch gegründet worden, der zunächst von Frau Voss geleitet wurde. Nach dem Tode von Frau Voss musste eine Nachfolgerin gefunden werden. Zunächst stand Frau Hillnhütter dafür zur Verfügung, die aber nach relativ kurzer Zeit von Frau Fink abgelöst wurde. Frau Laun ist jetzt Leiterin des Chores.

Jede schrieb oder schreibt ihre eigene Handschrift, so dass jeder Wechsel Aus- wie auch Eintritte zur Folge hatte, was auch für den Posaunenchor gilt. 1. Chorleiter war Hermann Wagner, der später den Chor an Fritz Preuß übergab. Jetzt liegt die Leitung in den Händen des Ehepaares Baumann / Baumann-Beck.

Fortsetzung der Bauaufgaben, ein Pfarrhaus wird erstellt 1950 – 1963

Im Jahr 1950 zog Erich Heinlein als Pfarrer in Hessental auf. Wer geglaubt hätte, dass mit der Fertigstellung der Kirche die kirchliche Bautätigkeit in Hessental ihren Abschluss gefunden habe, wäre einem Trugschluss aufgesessen. Mit der Kirche war auch, wie schon erwähnt, die Pfarrerwohnung in Flammen aufgegangen. Es gab eine Interimswohnung im Schlichtweg, was kein Dauerzustand sein konnte. Das führte zum Beschluss des Kirchengemeinderats im Grauwiesenweg ein Pfarrhaus zu erstellen. Somit war auch bald die dienst von Pfarrer Heinlein durch Bauaufgaben erschwert. Die Familie Heinlein konnte in das neue Pfarrhaus einziehen.

Nun galt es, das von Pfarrer Kiefel begonnene Werk fortzusetzen, nämlich zu versuchen, aus den vom Krieg hinterlassenen Fragmenten wieder Gemeinde zu bauen, wobei ihm sein gut fundiertes theologisches Wissen, seine Gabe das in seine Predigten umzusetzen und sein, den geraden Weg bevorzugendes Wesen, behilflich waren. Mit Heinleins Gesundheit war es nicht zum besten bestellt, so dass er 1963, aus dem Amt heraus, in die Ewigkeit abberufen wurde.

Zunächst versahen Nachbarspfarrer während der eingetretenen Vakatur die Dienste in Hessental, bis im September 1963 der Vikar Peter Daniel, aus Breslau gebürtig, die Stelle als Pfarrverweser antrat, was bis März 1964 dauerte, worauf Daniel nach Onolzheim ging, wo er Pfarrer wurde. Sein Leben nahm einen dramatischen Verlauf. Er hat den Dienst als Pfarrer 1967 aufgegeben, Onolzheim verlassen und ist bald darauf verstorben.

Das Gemeindeleben gewinnt Gestalt 1964 - 1976

Im Jahre 1964 begann Pfarrer Martin Wissner seinen Dienst in Hessental. Wissner, ein guter Kirchenhistoriker, richtete sein Augenmerk zunächst auf die Kinderkirche, aber auch die Arbeit mit den Alten lag ihm am Herzen, was die monatlich stattfindenden Seniorennachmittage zeigen. Auch an der Kirchmusik hatte er Interesse. Dem ist zugute gekommen, dass seine Frau Kirchenmusikerin ist, die Orgel spielte und den Kirchenchor leitete. Wissner begann auch eine Reihe von Veranstaltungen, deren Thematik besonders die Männer in der Gemeinde betraf. Eine Sparte der Gemeindearbeit, die einigermaßen neu war, aber als enorm wichtig angesehen werden muss. Im Jahre 1976 wechselte Wissner nach Langenburg, das im Zuge einer Neuaufteilung der Kirchenbezirke seinen Dekanatsstatus verloren hatte.

Ein Gemeindehaus muss her 1976 - 1995

Noch im gleichen Jahr ist Dieter Süßmuth Pfarrer in Hessental geworden. Auch ihm lag die Kinderkirche am Herzen, ist er doch einige Jahre im Kirchenbezirk Verantwortlicher für die Kinderkirche gewesen. Im Jahre 1982 fand in Hall die Landesgartenschau statt. Die Kirchen waren dort präsentiert. An den Andachten während der Gartenschau beteiligte sich auch Süßmuth als Prediger, was den Auftakt zu den alljährlichen Reihen „Kirche im Grünen" auf dem Einkorn bildete.

Seither blieb die Regie bei der Hessentaler Kirchengemeinde, Prediger und Posaunenchöre wechseln, dafür sorgt der Kirchenbezirk. In Süßmuths Amtszeit fielen auch 2 mehrtägige Gemeindereisen, eine nach Thüringen, eine andere nach Prag. Bald aber waren Aktivitäten in anderer Richtung gefragt. Die Gemeinde litt unter chronischem Raummangel, dem nur durch den Bau eines Gemeindehauses begegnet werden konnte. Der 2. Anlauf gelang, es war gerade noch „5 vor 12", als das geschah. So knapp war man mit dem vom Oberkirchenrat verordneten Baustop zuvor gekommen. Einer schwierigen, zeitraubenden Planungsphase folgte eine zügige Bauabwicklung. Im März 1995 konnte das Gemeindehaus eingeweiht werden. Während Pfarrer Süßmuths Amtszeit traf sich über einen längeren Zeitraum, jeweils Mittwoch um 19 Uhr, ein kleinerer Kreis zum Friedensgebet, auch mit Mitarbeiter-Abenden hat man begonnen. Die Seniorennachmittage im Advent, von der Kirchengemeinde gestaltet, sind seither eine feste Einrichtung. Im Jahre 1995 hat Pfarrer Süßmuth Hessental verlassen und ist Pfarrer in Mittelfischach geworden, womit für die Hessentaler Kirchengemeinde eine bewegte, unruhige Zeit begann.

Die Kirchengemeinde wächst 1995 - 1996

Zum Interimspfarrer ist Eberhard Messner bestimmt worden. Wohnhaft blieb er weiterhin in Hohebuch. Als erstes hatte er die kirchlichen Wahlen durchzuführen.

Der ständig wachsenden Gemeinde wegen, sie war mittlerweile Zahlenstärkste im Kirchenbezirk geworden, waren nun 9, statt 7 Kirchengemeinderäte zu wählen. Im Frühjahr 1996 beendete Messner seinen Dienst in Hessental und wurde Pfarrer in Geißelhardt.

Frischer Wind, die neue Generation tritt an 1996 - 1999

Nach den Sommerferien 1996 begann das Ehepaar Ralph Gruber und Sabine Gruber-Dürr, beide noch Pfarrer zur Anstellung in Stellenteilung, ihren Dienst in Hessental. Ralph Gruber ist nach kurzer Zeit „ständig geworden", und versah die Gemeinde alleine. Mit den Grubers hat ein Generationswechsel im Pfarrhaus stattgefunden, noch rechtzeitig zur Einführung des neuen Gesangbuchs, mit einem zum Teil völlig neuen Liedgut, so dass schon von daher der Generationswechsel als eine gute Lösung erschien. Neu war, dass Ralph Gruber kurze Predigten hielt, in welchen er, trotz der Kürze, die Aussagen des Textes deutlich zu machen verstand.

 

Eine Kulturinitiative etablierte sich, verschiedene Veranstaltungen standen im Angebot, das gut angenommen wurde.

Auch eine Gemeindereise nach Rom fand großes Interesse. Schließlich wurde Pfarrer Gruber eine Stelle im Schuldezernat des Oberkirchenrats angeboten, die er nach reiflicher Überlegung, mit Februar beginnend, angenommen hat. Die Familie Gruber wohnt weiterhin in Hessental.

Während der neuerlichen Vakatur setzte sich Pfarrer in Ruhestand Hans Janus aus Tüngental stark für die Hessentaler Gemeinde ein. An zu bewältigenden Problemen fehlte es nicht.

Da war zum einen das alte Wohnhaus Biehler, direkt neben dem Gemeindehaus, das nach langem hin und her, dank der allgemeinen Finanzknappheit, abgerissen werden konnte. Zum anderen galt es, einen passenden Pfarrer für Hessental zu finden. Dies gelang in Johannes Beyerhaus, der gerade seinen Dienst in Kenia beendete. Seine Zusage war an eine 50 %ige zusätzliche Stelle gekuppelt.

Seit 1999

Pfarrer Johannes Beyerhaus zog im September 1999 auf und Pfarrer Hartmut Bullinger dann ein Jahr später. Letzterer ist zu 50 % angestellt.

Frischer Wind weht in der Gemeinde. „Willow Creek" ist das Vorbild, Gottesdienste finden mit viel neuen Rhythmen statt. Es gibt gelegentlich Segnungsgottesdienste, einen Gemeindeaufbauverein und Glaubenskurse. Die Veranstaltungen werden auch von Interessierten anderer Gemeinden besucht, von manchen älteren Gemeindegliedern eher zurückhaltend angenommen.

2 Gemeindereisen gab es in die Türkei, wie auch eine Skifreizeit angeboten wurde. Ökumene am Ort, das hat schon unter Pfarrer Süßmuth begonnen und wurde lückenlos fortgesetzt. Ökumenische Bibelwochen, Straßenfeste, die ihr Zustandekommen der Initiative der Kirchengemeinden verdanken, wie auch der lebende Adventskalender, der auf das Pastoralreferenten Ehepaar Jammer zurückgeht, sind feste Einrichtungen geworden. Ab 2003 wird die Seniorenarbeit beider Kirchen in Hessental ökumenisch angeboten. Die evangelisch / katholische Zusammenarbeit auf vielen Gebieten wird von den beiden evangelischen Pfarrern, sowie vom katholischen Pfarrer für Steinbach und Hessental, Aldrighetti, sowie von der Pastoralreferentin Kerstin Schelkle aktiv mitgetragen.

Was wäre eine Kirchengemeinde ohne Kirchenpfleger? Stets waren es kompetente, gewissenhafte Menschen, die sich zu diesem Dienst zur Verfügung stellten.

Zunächst Georg Laukenmann, dann Anton Imber,  Dagmar Keth-Lang und jetzt Sandra Mauer

(Die Geschichte der Kirchengemeinde: Zusammengetragen von Hans Keller)