Was sehen wir?


Als ich diesem Bild zum ersten Mal begegnet bin, hat es mich fasziniert. Was sehen Sie? Das verhärmte Gesicht einer alten Frau mit Zackenkinn und übergroßer Knollennase, oder eine junge Frau mit Halsschmuck, deren Gesicht verträumt seitwärts nach hinten blickt?
Die einen sehen das erste, die anderen nur das zweite oder gar beides. Offenbar kommt es auf den Blickwinkel an, Bilder können „kippen“.
Aus welchem Blickwinkel betrachten wir Glaube und Kirche? Ist der Glaube nur Hilfestellung für Alte, Schwache und Kranke und die Kirche eine verstaubte Institution? Um dem Eigentlichen im Leben auf die Spur zu kommen, suchen die meisten Menschen nicht in den Kirchen, sondern ganz woanders.
Zugegeben,  es ist merkwürdig genug, worum es dem Glauben und der Kirche geht: Um Jesus Christus, einen, der vor zwei Jahrtausenden gelebt und von sich gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“(Johannes 14,6). Das klingt befremdlich in einer Zeit, wo es Wahrheit nur noch im Plural zu geben scheint. Aber vor 2000 Jahren war das ähnlich anstößig wie heute, sonst hätte man Jesus nicht gekreuzigt.
Doch nun lädt er zu einem „Blickwechsel“ oder richtiger gesagt: zu einem Standortwechsel ein. „Ich bin der Weg“: Schieb deine Vorbehalte auf die Seite, verlass deinen alten Standpunkt und wage es, mit meinen Worten zu leben! Du wirst entdecken: Das ist der Weg, der in die eigentliche Freiheit führt!
Nicht aus kritischem Blickwinkel, sondern im Vertrauen auf Jesus entdecken Menschen bis heute: Was er sagt, ist die Wahrheit, die uns zurecht bringt und weiterführt. Und so erfahren wir das Leben als ein erfülltes und gesegnetes.
Plötzlich „kippt“ das Bild: vom weltfremden, veralteten Jesus hin zu dem, der er in Wahrheit ist: Der Schöpfer und die Quelle des Lebens, und bis heute der „Fachmann“ für unsere Lebensfragen. Leben mit Jesus ist erfrischend und jeden Morgen neu, ewig jung. Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am morgigen Sonntag, damit wir diesen neuen Blickwinkel gewinnen!              

 

Pfr. Friedemann Horrer, Bibersfeld

 

 

Sonntagsgedanken im Haller Tagblatt am 11.09.2016