Die Welt spielt verrückt!

Diesen Satz habe ich in der letzten Zeit oft gehört. Die Menschen sind irritiert und verunsichert über die politischen Ereignisse. Das, was einigermaßen sicher und überschaubar aussah, wird in kürzester Zeit in Frage gestellt. Was unvorstellbar schien, wird normal, was man nie öffentlich ausgesprochen hätte, wird salonfähige Meinung.
Die Welt ist verrückt geworden. Und so eine verrückte Welt, die kann einem ganz schön Angst machen.
Die Welt spielt verrückt! Eigentlich ist die Faschingszeit die Zeit, in der es verrückt zugeht. Da wird getäuscht, da macht man sich zum Narren, da weiß man nicht mehr, mit wem man es zu tun hat, wer sich hinter der Maske verbirgt.
Noch bis zum kommenden Mittwoch, dann ist die verrückte, die närrische Zeit wieder vorbei. Wirklich?
Die Welt spielt verrückt. Nicht nur in der Faschingszeit und nicht erst in der heutigen Zeit. Von einem besonderen Narren, den die Welt seiner Zeit für verrückt erklärt hat, las ich vor Kurzem:
Jesus war ein Narr. Er hätte es zu etwas bringen können. Er hätte Karriere machen können. Als Gelehrter. Als Politiker. Als Experte. Vielleicht auch als Therapeut. Netzwerkend mit den Einflussreichen. Willkommen in den Häusern der Angesehenen. Stattdessen brüskiert er sie alle. Ließ keine fünf gerade sein. War anstrengend. Im Zorn warf er ihre Tresen um und ihre Gewohnheiten. Zugleich zeigte er seine Schwächen. Für schöne Frauen und gutes Essen und unglückliche Menschen. Er weinte schon mal in der Öffentlichkeit. Er störte die Ordnung, die Gewissheit, die Sicherheit. Nicht genug, dass er Kranke heilte. Er zeigte ihnen ihre Stärke. Seine Wunder beschränkte er nicht auf das Notwendige. Er sorgte für guten Wein und Fische im Netz, mehr als man hätte essen können. Er spazierte übers Wasser und zeigte einem Freund, wie das geht. Geld interessierte ihn nicht, er rechnete mit Gott. Ärgerlicherweise schien er dennoch kein Moralapostel zu sein. Er wusste zu feiern und zu genießen. Das Himmelreich habe längst begonnen, sagte er. Nämlich hier. Das ist mehr als Mut, das ist Übermut, und der ist unberechenbar. Er hält uns zum Narren. Er stellt uns ein Bein, während wir Karrieren machen, Kompromisse erfinden, der Ordnung dienen oder der Gewöhnung. Er nimmt unsere Eintönigkeit und macht ein Lied daraus.
Die Welt spielt verrückt. Das könnte ja, unter diesen Vorzeichen auch etwas kraftvolles und lebendiges sein, kreativ und unvorstellbar, schön und ganz anders.


Ute Armbruster-Stephan

Sonntagsgedanken am 25. Februar 2017 im Haller Tagblatt