Urlaubszeit - Begegnungszeit

Geistliches Wort fürs Haller Tagblatt am 23.07.2016

Liebe Leserinnen und Leser,
in der kommenden Woche beginnen die Sommerferien. Für viele ist dies die Zeit, um zu verreisen, andere Länder zu besuchen, in ein anderes Klima oder eine andere Kultur einzutauchen. Doch auch für diejenigen, die in der Heimat bleiben, besteht schon aus zeitlichen Gründen eher die Möglichkeit, die kulturellen Sehenswürdigkeiten der Umgebung zu erkunden oder auch wandernd in einer reizvollen Landschaft unterwegs zu sein.

Es kann uns gut tun, einmal Abstand zu gewinnen von dem Ort, an dem wir wohnen und an dem wir arbeiten. Es kann uns helfen, unser Leben einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Manche Probleme, mit denen wir uns herumschlagen, erscheinen dann vielleicht nicht mehr so übermächtig, oder es kommt uns eine Idee, wie wir sie noch auf andere Weise anpacken können. Der Abstand kann uns helfen, zur Ruhe zu kommen, wieder aufzuatmen und neue Kräfte zu schöpfen. Wir bekommen auch wieder eher einen Blick dafür, was wirklich zählt und was im Leben wirklich wichtig ist.
Unterwegs zu sein, eröffnet aber auch die Möglichkeit überraschender Begegnungen. In der Bibel gibt es viele Erzählungen von solchen Überraschungen auf dem Weg. Einige dieser Erzählungen werden wir in unserer diesjährigen Haller Sommerpredigtreihe näher betrachten. Die Menschen in diesen Geschichten sind aus ganz unterschiedlichen Gründen unterwegs: Manche haben einen Auftrag so wie Mose, der sein Volk in das gelobte Land führen soll oder der Apostel Paulus, der die gute Nachricht von Jesus Christus in der ganzen damals bekannten Welt verkünden will. Andere verlassen ihre Heimat wie Noemi, weil zuhause Hungersnot herrscht. Wieder andere suchen Antworten auf die Frage nach dem Sinn ihres Lebens und pilgern nach Jerusalem wie der hohe äthiopische Staatsbeamte.
All diese Menschen erfahren, dass Gott auf ihren Wegen mitgeht: In der Hilfe und Unterstützung, die sie durch andere erleben, erkennen sie, dass Gott auch in der Fremde für sie sorgt. Die Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, zwingen sie dazu, nach anderen heilvolleren Wegen Ausschau zu halten. Der Anhalter, der am Wegrand sitzt, erzählt eine Geschichte, die das eigene Leben völlig umkrempeln wird.
Wenn Sie in diesem Sommer unterwegs sind, dann lade ich Sie dazu ein, sich bewusst zu öffnen für neue Begegnungen und Entdeckungen. Sich Zeit zu nehmen, Landschaften und Sehenswürdigkeiten auf sich wirken zu lassen. Einander wirklich zu begegnen, einander zuzuhören und auch einmal neugierige Fragen zu stellen. All dies macht das eigene Leben reich und trägt uns, wenn dann wieder Alltag ist.


Ihr Pfarrer Wolfgang Bayer, Schwäbisch Hall