„Wer hat an der Uhr gedreht …“

So könnten wir heute Nacht mit dem rosaroten Panther singen, wenn es wieder soweit ist und um 2:00 die Uhr eine Stunde vorgestellt wird auf 3:00 Uhr. Seit 1980 gibt es diese Zeitumstellung im Frühjahr und Herbst. Über deren Sinn kann man geteilter Meinung sein. Doch zunächst wird uns heute Nacht eine Stunde unseres Schlafs genommen, die wir im Herbst zurückbekommen. Was rein rechnerisch so stimmt und doch kommt für viel mit der Zeitumstellung ihr Lebensrhythmus aus dem Takt. An der Uhr kann man drehen, doch an der Zeit? Zeit kann man nicht vor – oder zurückdrehen. Auch wenn man das manchmal gerne tun würde. Zeit vergeht und darum ist sie kostbar. Wenn wir darüber nachdenken, dann ist die Zeit ein eigenartiges Phänomen: Mal heißt es „Zeit ist Geld“, mal versuchen wir „Zeit totzuschlagen“, dann wieder „steht die Zeit still“ oder sie „eilt dahin, als flögen wir davon“. Andererseits „heilt die Zeit alle Wunden“ oder es heißt „kommt Zeit, kommt Rat“. Was tun wir nicht alles, um Zeit zu sparen, Zeit zu schinden, um verlorene Zeit wieder wett zu machen. Unzählige Erfindungen verdanken wir der Idee, Zeit zu sparen: Waschmaschine, Flugzeug, Mikrowelle, … Eigentlich müssten wir so viel Zeit haben wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Und doch klagen viele Menschen, dass sie wenig oder keine Zeit haben - und das liegt nicht daran, dass heute Nacht an der Uhr gedreht wird. Viele sind so gehetzt wie noch nie zuvor. Liegt es daran, dass wir die eingesparte Zeit unnütz vertun? In Warteschlangen stehen oder im Stau, verlegte Gegenstände suchen, in Telefonwarteschleifen hängen, … Was machen wir mit unserer Zeit? Gelingt es uns, sie zu gestalten oder sind wir nur Getriebene?
In einem alten Psalmgebet (Psalm 31,16) in der Bibel ist zu lesen: „Meine Zeit steht in deine Händen“. Aus diesen Worten spricht das Vertrauen, dass Gott uns Zeit einräumt. Jeder hat seine, jede ihre eigene Zeit. Das Vergehen der Zeit ist augenfällig. Doch „meine“ Zeit kann und muss ich leben, füllen, genießen, gestalten, manchmal auch erleiden. Jede muss in ihrer Zeit sie selbst, jeder er selbst werden. Doch meine Zeit, mein Lebenslauf, mein Gewordensein, mein Ich steht. In Gottes Händen. Vergeht nicht einfach, hat Bleibe in Gottes Händen. Zwar vergeht die Zeit unaufhaltsam, doch „meine Zeit steht in Gottes Händen“ lebt aus der Gewissheit, dass die Zeit nicht einfach verrinnt und irgendwo verschwindet. Sie wird gehalten und gesammelt in Gottes Händen. Nichts geht verloren – auch wenn heute Nacht an der Uhr gedreht wird.


Bärbel Koch-Baisch
Oberin im Evang. Diakoniewerk

 

Sonntagsgedanken im Haller Tagblatt am 25. März 2017