Schätze im Gesangbuch


Unser Evangelisches Gesangbuch birgt ungeahnte Schätze: „Zwischentexte“. Kürzere oder längere Bibelworte, Sprichwörter, Zitate. Aus unterschiedlichen Ländern, Zeiten und Religionen. Von Menschen aus Politik und Religion, Philosophen und Naturwissenschaftlern, Männern und Frauen. Diese Texte stehen unauffällig zwischen den Liedern und bergen doch wertvolle Schätze.
Matthias Claudius, der Dichter des Abendliedes „Der Mond ist aufgegangen“, ist einer von denen, aus deren Werk Zwischentexte für das Gesangbuch genommen wurden. Dieser gelernte Theologe und Jurist lebte im 18. Jahrhundert. Er fand als Dichter die Möglichkeit, seinen Glauben auszudrücken. Und sein Glauben war für ihn lebensnotwendig.
Etwas Festes muss der Mensch haben, daran er zu Anker liege, etwas, das nicht von ihm abhängt, sondern davon er abhängt.“
Dieses zuverlässige Etwas, dieser Anker in der stürmischen See des Lebens ist sein Vertrauen in Gottes Güte und Leitung. Wenn alles zerbricht, wenn Träume platzen, Pläne scheitern, Beziehungen in die Brüche gehen, der Tod das Leben verdunkelt, dann brauchen wir etwas, jemanden, der uns hält, jemanden, für den wir keine Verantwortung übernehmen müssen, sondern der uns trägt und uns schwach sein lässt.
Claudius weiß um die Schattenseiten des Lebens. Politische Wirren und persönliche Schicksalsschläge zerfurchten sein Leben. Und gerade mit diesen Erfahrungen gibt er uns wunderbare Zeugnisse seines Glaubens. Vielleicht kennen Sie sein Gedicht:
„Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit,
und alle Welt vergehet
mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur einer ewig
und an allen Enden,
und wir in seinen Händen.“

Gedanken, die uns heute noch berühren und uns vertrauen lassen können: unser Leben, mit all seinen Tiefpunkten und Krisen, mit allen Katastrophen und Leiden ist aufgehoben bei Gott. Er trägt und führt uns zum ewigen Leben. Diesen Schatz nehmen wir aus den Worten von Matthias Claudius an.

 

Ingeborg Brehmer, Kreuzäckergemeinde Schwäbisch Hall

 

Sonntagsgedanken im Haller Tagblatt am 21. Oktober 2017