Nichts bleibt wie es ist

Schnelleres Internet - vor allem auf dem Land. Schulen ans Netz - und am besten gleich das Smartphone oder Tablet in das alltägliche Lernen miteinbeziehen. Fit sein für die schöne neue Welt der Medien. Dafür steht sogar viel Geld zur Verfügung.
Gleichzeitig wird beklagt, dass es genau dort, nämlich im anonymen Raum des Internets immer rauer zugeht. Regeln scheint es keine zu geben. Viele Menschen, die ein öffentliches Amt bekleiden, können ein trauriges Lied davon singen, wie schnell das geht und man mit Häme und Hass überschüttet wird. In manchen Fällen muss sogar die Polizei ermitteln, weil es weit über das Maß des Erträglichen und juristisch Erlaubten hinausgeht.
„Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.“
So endet Goethes Zauberlehrling. In Abwesenheit seines Meisters will er ausprobieren, wie das ist, wenn man mal so richtig ungezügelt loslegen kann, dann aber stellt er fest, dass er nicht mehr in den Griff bekommt, was er angezettelt hat.
Kulturpessimist Imkampe? Meiner Schülerschaft bin ich eher nicht bekannt als ein Lehrer, der diese neue Medienwelt grundsätzlich ablehnt. Ganz in Gegenteil: Wenn ich etwas nicht ganz genau weiß, sage ich „Telefonjoker“ und meine Schüler/innen wissen, jetzt darf man mal kurz recherchieren und schwupps weiß man die vergessene Jahreszahl oder irgendetwas anderes, was man sich nicht hat genau merken können. Das ist doch eigentlich gut und hilfreich. Nicht gut und hilfreich ist, wenn Menschen im Schutz der Anonymität andere beleidigen und verletzen.
Morgens beim Aufstehen lese ich als erstes die Tageslosung der Herrenhuter Brüdergemeinde. Auf dem Smartphone. Manchmal passt das und manchmal auch nicht. Für heute passt diese Losung sehr gut und eignet sich als Leitlinie für den digitalen und anonymen Umgang mit meinen Mitmenschen. Da schreibt Paulus als Rat an die Christinnen und Christen in Galatien (das liegt in der heutigen Türkei): „Der Geist Gottes lässt als Frucht eine Fülle von Gutem wachsen, nämlich: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.“ Wenden wir diese Schlüsselworte auf alle unsere Lebensbereiche an, kann es immer noch auch harte Auseinandersetzungen in den verschiedensten Sachfragen geben, aber doch sind diesem „Streit“ Maßstäbe vorgegeben. Lassen Sie sich doch von diesem guten Geist Gottes leiten, im virtuellen wie im realen Leben. Damit ließe sich doch die Adventszeit 2016 gut beginnen.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

 

Wort zum Sonntag am 26.11. 2016 im Haller Tagblatt


Matthias Imkampe, Religionslehrer am Erasmus-Widmann-Gymnasium