„Herr der Herren, dir sei Lob und Ehre, Halleluja“


das musste unbedingt gesungen werden im Schlussgottesdienst des diesjährigen Ferienprogramms in Untermünkheim. Und natürlich „Steht auf und lobt unsern Gott ... denn Gott ist König und Herr aller Welt“. Beide Lieder haben fetzige Melodien, es gibt tolle Bewegungen dazu, und wenn das über 100 Kinder singen, dann ist die Stimmung in der Kirche einfach herrlich.

Nach dem Gottesdienst und einer Woche Ferienprogramm kam ich am Abend wieder einmal zum Zeitunglesen. Und da waren sie alle versammelt, die ihre Staaten auf Kosten von Demokratie und Menschenrechten „wieder groß machen“ wollen: Donald Trumpp, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdoğan und ihre „Brüder im Geiste“.
Und ich frage mich, was wir da am Morgen gesungen haben: „Herr der Herren, dir sei Lob und Ehre“ und „Gott ist König und Herr aller Welt“. Sind das nur Kinderlieder? Schön zu singen, gut für fröhliche Stunden im friedlichen Kochertal, aber weit weg von der wirklichen Welt?

Während des Ferienprogramms haben wir die Loblieder freilich nicht nur gesungen, weil sie gut klingen, sondern auch, weil sie ganz nah dran waren an „Daniel und seinen Freunden“, die uns durch die Woche begleitet haben.
Bekannt ist der biblische Daniel vor allem dadurch, dass ihn der persische König Darius in die Löwengrube werfen lies, weil er nicht zum Herrscher beten wollte (Daniel 6). Und die drei Freunde Daniels landeten im Feuerofen, als sie sich weigerten, ein goldenes Standbild des Königs Nebukadnezar anzubeten. Mutig sagten sie: „Wenn unser Gott will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König. Und auch wenn er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten werden“(Daniel 3, 17f).

Im Buch Daniel ist das „Steht auf und lobt unsern Gott“ immer auch ein Bekenntnis zur Demut vor Gott und ein Protest gegen den Größenwahn von irdischen Herrschern. Als Daniel die Löwengrube dann unversehrt verlies, sagte der erschütterte König: „Man soll in meinem ganzen Königreich den Gott Daniels ehren, denn er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende“ (Daniel 6, 27).

Das ist jetzt lange her, etwa 2500 Jahren. Die Perser sind keine Großmacht mehr, nach ihnen kamen Griechen, Römer, das Mittelalter, Hitler hat geherrscht und Stalin. Und vor und nach ihnen unzählige Herrscher, die sich wie Götter verehren ließen. Aber durch diese 2500 Jahre hindurch gab es auch immer das mutige Bekenntnis zum lebendigen Gott, den Widerstand gegen Willkürherrschaft und die Einsicht, dass wir nur dann menschlich bleiben können, wenn wir uns der Güte, dem Recht und der Gerechtigkeit unterstellen. Darum singe ich es auch weiterhin mit Freude: „Steht auf und lobt unsern Gott ... denn Gott ist König und Herr aller Welt“.

Pfarrer Stefan Engelhart, Untermünkheim

 

 

Sonntagsgedanken im Haller Tagblatt am 13.08.2016