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Stellungnahme der Bezirkssynode Schwäbisch Hall vom 20.11.2015

Im September diesen Jahres haben die Leitenden Geistlichen der Evangelischen Landeskirchen in Deutschland Stellung genommen zur aktuellen Flüchtlingssituation.
 
Die Bezirkssynode des Kirchenbezirks Schwäbisch Hall unterstützt die in dieser Erklärung zum Ausdruck gebrachte Haltung und die daraus folgenden Forderungen ausdrücklich:
 
„Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten
deiner Flügel Zuflucht haben!“ (Psalm 36,8)
1. Gott liebt alle seine Geschöpfe und will ihnen Nahrung, Auskommen und Wohnung auf dieserErde geben. Wir sehen mit Sorge, dass diese guten Gaben Gottes Millionen von Menschen verwehrt sind. Hunger, Verfolgung und Gewalt bedrücken sie. Viele von ihnen befinden sich auf der Flucht. So stehen sie auch vor den Toren Europas und Deutschlands. Sie willkommen zu heißen, aufzunehmen und ihnen das zukommen zu lassen, was Gott allen Menschen zugedacht hat, ist ein Gebot der Humanität und für uns ein Gebot christlicher Verantwortung.
2. Der Mensch steht im Mittelpunkt aller Bemühungen. Viele Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die große Herausforderung besteht darin, jedem Einzelnen gerecht zu werden. In ihrer Not begeben sich Menschen auf der Flucht in Lebensgefahr. Es ist humanitäre Pflicht, alles zu tun, um Menschen aus Seenot und vor anderen Gefahren zu retten. Gegen menschenverachtende Schlepperbanden und mafiöse Strukturen innerhalb und außerhalb Europas muss mit polizeilichen Mitteln vorgegangen werden. Die wirksamsten Maßnahmen gegen die Gefahren auf der Flucht bestehen in legalen Zugangswegen nach Europa. Wir fordern deshalb legale Wege für Schutzsuchende und begrüßen Diskussionen über ein Einwanderungsgesetz, das neue Zuwanderungsmöglichkeiten für Menschen auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben eröffnet.
3. Unsere Gesellschaft steht vor einer großen Herausforderung, aber auch unsere Kräfte sind groß. Wir sind dankbar für die vielfältige Hilfsbereitschaft! Allen, die ehrenamtlich oder beruflich, aus Kirche, Zivilgesellschaft, Staat und Politik helfen, eine Willkommenskultur zu leben und mit einem beispiellosen Einsatz für die schnelle und menschenwürdige Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen zu sorgen, danken wir von ganzem Herzen! Mit Entschiedenheit wenden wir uns gegen alle Formen von Fremdenfeindlichkeit, Hass oder Rassismus und gegen alles, was eine menschenfeindliche Haltung unterstützt oder salonfähig macht. Sorgen und Angst vor Überforderung müssen ernst genommen werden, dürfen aber nicht für menschenfeindliche Stimmungen missbraucht werden.
4. Als Kirche prägen wir das Zusammenleben in dieser Gesellschaft mit. Daher treten wir dafür ein, gelebte Willkommenskultur und die damit verbundene Integration zu einer zentralen Aufgabe unserer Gemeinden und Einrichtungen zu machen.
5. Mit Sorge sehen wir die Hintergründe und Ursachen der Flüchtlingsbewegungen: Klimaveränderungen, Kriege, Verfolgung, Zusammenbruch staatlicher Gewalt, extreme Armut. In diese Fluchtursachen ist auch unsere Gesellschaft vielfältig durch globale Handelsbeziehungen, Waffenlieferungen und nicht zuletzt durch einen Lebensstil, der die Ressourcen der Erde verbraucht, zutiefst verwickelt. Eine Umkehr von diesen ungerechten Verhältnissen ist an der Zeit.
6. Uns in Deutschland ist aufgrund unserer Geschichte in besonderer Weise bewusst, welches Geschenk es ist, Hilfe in der Not und offene Türen zu finden. Ohne die Hilfe, die uns selber zu Teil geworden ist, wären wir heute nicht in der Lage, mit unseren Kräften anderen zu helfen."

 
Als Synodale des Kirchenbezirks Schwäbisch Hall sind wir dankbar für die vielen Menschen, die sich jetzt schon unermüdlich für die Flüchtlinge, die zu uns kommen einsetzen.
Wir ermutigen die Verantwortlichen in den Gemeinden unsres Kirchenbezirks
... alle Menschen und Initiativen, die vor Ort konkret Willkommenskultur gestalten, in ihren Anliegen und in ihrer Arbeit möglichst umfassend zu unterstützen und zum Beispiel kirchliche Räume unbürokratisch zur Verfügung zu stellen.
... auch auf lokaler Ebene, Fremdenfeindlichkeit, Hass oder Rassismus und allem, was eine menschenfeindliche Haltung unterstützt oder salonfähig macht, entgegenzutreten;
… und gleichzeitig bewusst Raum für Begegnungen zu schaffen, in denen Menschen auch offen über ihre Ängste reden können und diese abbauen können.

In der Gewissheit, dass Menschen unter Gottes Flügeln Zuflucht haben, bringen wir die Not aller Menschen in unseren Gebeten vor Gott und bitten ihn um Kraft für die vor uns liegenden Aufgaben.

Schwäbisch Hall, Brenzhaus, 20. November 2015