Europäisches Kulturerbe-Siegel für St. Michael

 

In Zukunft wird an einem noch zu bestimmenden Ort an der Fassade der St. Michaelskirche diese blaue Plakette prangen. Am 21. Oktober 2013 wurde der Kirche in ihrem Chorraum das Europäische Kulturerbe-Siegel verliehen. Damit wurde St. Michael als wichtiges Kulturdenkmal und bedeutende Stätte der Reformation geehrt und ist eine von insgesamt 20 Stätten in Deutschland, die dieses Siegel tragen. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, Prälat Harald Stumpf und Dekanin Anne-Kathrin Kruse nahmen die Auszeichnung vom Baden-Württembergischen Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, Ingo Rust, entgegen.

Staatssekretär Ingo Rust würdigte in seiner Rede die Michaelskirche als bedeutende, reformatorische Stätte, sowie Schwäbisch Hall als Stadt, in der ein "besonderer Geist" herrsche. Er erinnerte daran, dass es die selbstbewussten Räte der Reichsstadt Schwäbisch Hall waren, die 1522 den Reformator Johannes Brenz nach Schwäbisch Hall berufen hatten. Die Stadt sei sich auch heute noch dieses kulturellen Erbes sehr bewusst und setze sich nach Kräften dafür ein. Auch betonte er die Toleranz, die damals wie heute in Schwäbisch Hall eine wichtige Rolle spielte.

Prälat Harald Stumpf, der als Vertreter des Landesbischofs an der Feier teilnahm, hob hervor, dass die Auszeichnung zum Kulturerbe nicht nur eine Würdigung, sondern auch eine Verpflichtung sei. "Wir erwarten auch weiterhin reformatorische Impulse von Schwäbisch Hall."

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim sieht in dem baulichen Beieinander von Rathaus, Marktplatz und Kirche eine Philosophie des Miteinanders von Kirche und Staat, welche das Leben in Schwäbisch Hall prägte und präge. Auch dankte er für die "zivilisatorische Leistung", dass St. Michael bis heute derart gut erhalten sei. 

 

Abschließend gab Professor Dr. Martin Jung von der Universität Osnabrück einen Vorgeschmack auf den Vortrag, den er am Abend ausführlich hielt. Er würdigte Schwäbisch Hall als Beispiel:

1. einer frühen Reformation: schon 1522 kam Johannes Brenz nach Schwäbisch Hall, gewann die Menschen für die neuen Ideen Luthers und leitete die reformatorische Umgestaltung ein;

2. einer friedlichen Reformation: Ging die Reformation vielerorts einher mit Gewalt, basierte sie in Schwäbisch Hall  allein auf dem Wort, der Predigt und der Überzeugungsarbeit;

3. einer erfolgreichen und konsequenten Reformation: Schnell übertraf die reformatorische Gestaltung in Schwäbisch Hall deren Umsetzung in Wittenberg. Schon 1526 wurde der Gottesdienst reformiert, 1526-27 eine Kirchenordnung erarbeitet und 1527-28 ein Katechismus veröffentlicht.

4. einer toleranten Reformation: So gab es in Schwäbisch Hall keinen Bildersturm und Johannes Brenz zeigte sich toleranter als Luther gegenüber den Täufern und den Bauern.

5. als Ort, an dem Johannes Brenz 26 Jahre lang wirkte und die Stadt prägte.

Daher sei der Kirche und somit auch der Stadt das Kulturerbe-Siegel zu Recht verliehen worden.

 

Im Anschluss an die Feier in der Kirche lud der Oberbürgermeister zum Empfang ins Rathaus ein. In diesem Zusammenhang wurde auch das frisch gedruckte Themenheft: "Orte der Reformation - Schwäbisch Hall", herausgegeben von Dekanin Anne-Kathrin Kruse und Kirchenrat Frank Zehb, vorgestellt. Es ist für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.